Geschichte

Geschichte und Entwicklung des Jugendhauses in Orschel-Hagen

Die Gartenstadt Orschel-Hagen wurde zwischen 1960 und 1970 erbaut, um der sehr hohen Nachfrage nach Wohnraum in der Nachkriegszeit gerecht zu werden. Die GWG Reutlingen Wohnungsgesellschaft mbH erhielt den Auftrag, eine neue Siedlung zu bauen, damit die Stadt Reutlingen dem beginnenden Wirtschaftsaufschwung gerecht werden konnte. Die Wohnquartiere wurden aufgeteilt in einen östlichen und einen westlichen Teil. Verbunden werden die Quartiere durch das Zentrum, den Dresdner Platz, in dem für das alltägliche Leben zentrale Einrichtungen errichtet wurden. Dazu gehören die Schulen, die Sportanlagen, Geschäfte und auch das Jugendhaus.

Bereits bei den Planungen des Stadtteils Orschel-Hagen wurden die Freizeitinteressen junger Menschen mit berücksichtigt. Beim Bau des Geschäfts- und Kulturzentrums 1965 am Dresdner Platz wurde von der GWG (Wohnungsgesellschaft Reutlingen) ein Gemeinschaftshaus erstellt. Dies wurde der Stiftung Jugendwerk für „jugendpflegerische“ Aufgaben sowie für „kulturelle und gemeinschaftsfördernde Veranstaltungen“ zur Verfügung gestellt. Seit November 1968 bot der Arbeitskreis Jugendhaus verschiedene Veranstaltungen in den Räumen des heutigen Jugendhauses an. 1970 konnte dann der erste hauptamtliche Mitarbeiter bei der Stiftung Jugendwerk für die Jugendarbeit in Orschel-Hagen angestellt werden.

Ausgeprägte Selbstverwaltungsstrukturen führten zu einer bewegten Anfangszeit im Jugendhaus und forderten in hohem Maße alle verantwortlichen Mitarbeiter. Bis 1982 war die Stimmung im Jugendhaus auch von „Aggressivität und Vandalismus“ geprägt. Parallel dazu fanden trotzdem ein Vielzahl von Kreativangeboten, Kindernachmittagen, Tanz- und Musikveranstaltungen ihren Platz. 1982 wurde eine Konzeption verwirklicht, die sich ausschließlich auf Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren konzentrierte.

Das Profil des Jugendhauses wurde bis Ende der 90er Jahre im Kreativbereich differenziert und ausgebaut. Die ursprünglich rigiden Altersgrenzen wurden von da an vorsichtig ausgeweitet, um dann auf das heutige Niveau von einer Kernzielgruppe von jungen Menschen im Alter von 14 bis 21 Jahre festgelegt zu werden.

Seit 1991 gibt es einen jährlich stattfindenden außerschulischen Jugendaustausch mit der ungarischen Partnerstadt Szolnok. Dabei findet die Begegnung abwechselnd in Deutschland und in Ungarn statt. 

Das Jugendhaus versteht sich seit 2000 als stadtteilbezogener Treffpunkt, als Ort jugendlicher Identifikation und Gestaltung, als Ort der Begegnung für Kinder und Jugendliche verschiedener Herkunft und mit unterschiedlichen Perspektiven. Das Programm versteht sich als Anregung für selbstgesteuerte Bildungsprozesse, als Ort für eine erfahrbar soziale Partizipation und als Unterstützung in persönlichen Fragen und Krisen.

Das Jugendhaus geht bei der Gestaltung des sozialräumlichen Miteinanders Kooperationen mit anderen Akteuren im Stadtteil ein (Stadtteilfeste, Open-Air Festivals, Turniere, Nikolausabend etc.) und arbeitet seit Anfang der 90er in den Stadtteilarbeitskreisen Orschel-Hagen-Forum und IGELOH (Interessengemeinschaft Einkaufen und Leben in Orschel-Hagen) aktiv mit. Räumlichkeiten des Jugendhauses werden an Initiativen, Schulen, Vereine, Musik- und Tanzgruppen sowie Bewohner*innen aus dem Stadtteil vermittelt und überlassen.

Mitte der 2000er wurde die Aufsuchende Jugendarbeit (AJA) im Jugendhaus ein fester Bestandteil des sozialpädagogischen Angebotes. Auch außerhalb des Jugendhauses sind die Mitarbeiter fortan Ansprechpartner für Jugendliche und fungieren als Vertreter einer jugendlichen Öffentlichkeit. Die Zielgruppe der AJA sind alle Jugendlichen und junge Erwachsene, die sich im öffentlichen Raum des Stadtteils Orschel-Hagen aufhalten. Dabei hat die AJA insbesondere die Funktion, Kontakt zu Jugendlichen aufzunehmen, die durch die Angebote des Jugendhauses nicht (mehr) erreicht werden, diese zu begleiten und sich für deren Belange einzusetzen.

Im Jahr 2017 wurde die Calisthenicsanlage am Achterspielplatz, ein Ergebnis des vom Jugendhaus initiierten Jugendforums Orschel-Hagen, offiziell eingeweiht. Im selben Jahr wurde das Jugendhaus zu einer zertifizierten GUT DRAUF Einrichtung und richtet seit dem seine Angebote gesundheitsorientiert aus. Im Jahr 2020 rezertifiziert sich das Jugendhaus als gesundheitsbewusste Jugendeinrichtung bis 2023.

Im Jahr 2020 und 2021 musste das Jugendhaus aufgrund der Covid-19-Pandemie zeitweise geschlossen werden. Die digitale Jugendarbeit über soziale Medien gewinnt an Bedeutung, insbesondere um mit jugendlichen Besucher*innen in Kontakt zu bleiben. In Pandemiezeiten ist der Jugendhausalltag von Beschränkungen, Personenbegrenzungen und weiteren Einlasshürden (Impf- oder Testnachweisen) geprägt.

Eingangsfront seit 2021

Im Jahr 2021 wurden die ehemaligen Räumlichkeiten der direkt angrenzenden und leerstehenden Änderungsschneiderei am Dresdner Platz 4 neu angemietet. Ziel der Jugendhaus-Erweiterung war es, sichtbarer, attraktiver und barrierefrei zu werden. In Zusammenarbeit zwischen Mitarbeiter*innen und Jugendlichen wurde der neue Raum umgebaut, neu eingerichtet und dekoriert. Entstanden ist ein Raum, welcher als gesundheitsorientiertes Café, Veranstaltungsort und Treffpunkt genutzt wird.

Im selben Jahr wird der Gruppenraum im Obergeschoss des Jugendhauses renoviert und bekommt eine neue Zubereitungsküche, die für Kochprojekte mit Jugendlichen genutzt wird.

Das Jugendhaus Orschel-Hagen verfügt im Jahr 2021 insgesamt über 2,5 Vollzeitstellen, die sich drei hauptamtliche pädagogische Mitarbeiter/-innen teilen. Davon ist eine 0,5 Stelle der aufsuchenden Jugendarbeit im Stadtteil gewidmet. Eine Reinigungskraft und ein Hausmeister sind in Teilzeit beschäftigt. Zudem wird das Team temporär durch eine/n Studierenden/n der Dualen Hochschule Baden Württemberg, Fakultät Sozialwesen, ergänzt sowie von einem jungen Menschen, der einen Bundesfreiwilligendienst absolviert. Ehrenamtlich engagierte Gruppenleiter/-innen und Honorarkräfte werden projektbezogen eingesetzt.